Donnerstag, 16. Juli 2015

Kalenderblatt der Realität – Wie es einen hart treffen kann



Kalenderblatt der Realität – Wie es einen hart treffen kann

Bei F. Kalender fand ich unter dem 16.07.2015 in seinen Kalenderblättern eine kleine Geschichte darüber, wie hart die Realität sein kann:


Was ist Real?

Das fragte sich ein Mann, der am Rande einer Landstraße seines Weges ging. Es war Nacht. Er hatte in den Himmel gesehen. Sterne, Sterne und dazwischen: ganz viel dunkelblauschwarzes Nichts. „Gibt es mich wirklich? Ist alles nur Einbildung? Denkt sich mich und die Welt vielleicht nur ein Geistwesen? Ist neben, in und um uns eine ganz andere Welt und Wirklichkeit?“ Es kam ihm in den Sinn, was er in der Schule über Atome gelernt hatte: „Wir, alles, was man anfassen kann, bestehen aus Atomen. Deren Bausteine, bestehen wieder aus noch kleineren und alles schwingt. Sind wir nicht wie das Weltall: Ein großes Nichts mit ganz kleinen Materieknubbeln darin, die man bei den Atomen noch nicht einmal (be)greifen kann. Wenn man das Elektron fassen will, schwups, ist es schon wieder woanders.“ ... "Und was ist überhaupt Zeit? auf der Ebene der Atome unfassbar kurze Momente, im Weltall scheinbar unendliche Millardenzeiträume?"

So kann es manchmal gehen, wenn man allein Nachts auf einer Straße geht, gehen die Gedanken um.

„Wer bin ich? Bin ich da, wo ich bin? Gehe ich hier wirklich oder bilde ich oder jemand anderes sich das nur ein? Und wenn ich doch nur aus großen leeren Welträumen der Atome bestehe, in denen ganz kleine Teile, vielleicht nur für Bruchteile von Millionstelsekunden an irgendeiner Stelle sich materialisieren? Das Ganze entsteht dann nur im Geiste (wessen?), dass ich ich bin – oder welche Form der Materie-Energie auch immer.“ Ja, solche Gedanken sind manchmal so fein und schleierhaft gewoben, wie der Gegenstand, um den es geht.

Die Gedanken ergriffen ihn so, dass er das kurze Aufblitzen der Lichter und das Geräusch, wenn ein Auto an ihm vorbei fuhr, gar nicht mehr wahrnahm.

„Ich bin im Grunde nur ein zufälliges Produkt gedachten Seins? Dann müsste es doch möglich sein, diese Erkenntnis zu nutzen, um mich zu transformieren? Transformieren in ein anderes Wesen oder den reinen Geist? Vielleicht ist es eben nur eine Sache des Denkens, wie ich mich selbst sehe und verhalte?" ... " Ich stelle mir nun vor, dass ich ein transformiertes Wesen aus reiner Energie bin. Durch die vielen freien Räume, aus denen meine Atome bestehen, können sich unzählig viele andere Welten bewegen, die vielleicht mit unseren Sinnen nicht zu greifen sind. Nichts kann mir dann etwas anhaben. Auf ewig werde ich heil sein. Ich kann mich in allem verteilen und alles kann durch mich hindurch.“

Da wurde er von einem Auto überfahren.


Trotz des traurigen Endes, Humorpflaster aufkleben.

 Copyright K-U.Pagel 07.2015

Sonntag, 5. Juli 2015

Fluppsiges Kalenderblatt – Anleitung für ein Geschäftsmodell

Fluppsiges Kalenderblatt – Anleitung für ein Geschäftsmodell


Ich habe mal wieder bei F. Kalender nachgesehen und unter dem 04.07.2015 diese Anleitung gefunden, wie man ein Geschäft zum Laufen bringen könnte:


Wie schafft man ein neues Produkt?


Zunächst muss die Zielgruppe und damit der Markt definiert werden, vielleicht neu geschaffen werden:

Sichere Kunden bekommt man aus der Gruppe von Personen, die – warum auch immer – auf der Suche sind, nach „alternativen, neuen Lebenssichten“. Vielleicht auch, weil sie mit sich bisher nicht zufrieden sind.

Was für diese Gruppe immer mal gehen kann, ist, wenn man die gängige Lehrmeinung und Weltsicht in Frage stellt. Eben das, womit die Betreffenden nicht zufrieden sind, worin sie sich nicht einfinden möchten. Der Wissenschaft etwas Anderes entgegen stellen, was natürlich irgendwie doch Wissenschaft sein sollte und – am besten sagenhafte „Weisheiten“ aus fernen Zeiten und fernen Landen aufnimmt. Und sei es nur einfach so „nachempfunden“ in neuem Gewand.

Und am besten so, dass man den Menschen suggeriert, dass sie endlich ihre persönlichen Freiheiten nutzen, wenn sie genau dieser Lehre strikt folgen. Eingeengtes Denken als Freiheit anpreisen. Und natürlich mit dem Hinweis, dass alle anderen, die dem nicht folgen, unfrei in ihren Gedanken sind, weil sie eben diese Erleuchtung der reinen Wahrheit nicht haben.

Wichtig dabei ist, bei solchen Suggestionen, dass man Menschen dazu bringt, Tatsachen und Realitäten anders zu sehen, als sie sind. Wenn es erst mal gelungen ist, jemanden dazu zu bringen, dass er an etwas glaubt, was haarscharf oder auch dreist weit von der Realität abweichend erklärt wird, zu glauben, so kann der dann genau wie ein Spieler vor dem Automaten, der auf die Serie wartet (die ja nun endlich kommen muss) nicht mehr zurück.

Wenn es gelingt, den „Gläubigen“ auch noch dazu zu gewinnen, dass er die „Geschichten“ weiter erzählt, regelrecht dafür missioniert, so wird der sich weigern so lange es geht, seine Irrtümer zu erkennen. Denn er würde sich ja vor den Anderen „wie ein Idiot“ darstellen, sich bis auf die Knochen blamieren und lächerlich machen.

Sehr gut kann man solches unterstützen, indem man den Betreffenden dazu bringt, irgend etwas sehr teuer zu kaufen, seien es Wundermittel oder Erleuchtungsseminare oder sonst was. Hauptsache recht teuer. Denn der Narr glaubt auch an den Spruch: „Was nichts kostet, taugt auch nichts.“ Damit kann man einigen Menschen sogar „Kot in Dosen“ verkaufen. Natürlich nur, wenn er von der heiligen Kuh stammt und von einem „Weisen Mann“ mit Sprüchen eingesegnet wurde.

Eine moderne Variante kann sein, dass man das „Zeugs“, Waren, Dienstleistungen, Kurse, Bücher etc. zum Weiterverkauf an die „Jünger“ anbietet.

Da kann der Verkäufer seine Investitionen, die gegenüber der Chance auf Millionengewinne läppisch gering sind, schnell wieder rein bekommen. Eben wie der Spieler, der mit seinem Leben nicht zufrieden ist und dem (Spiel-)Glück abverlangt, das Leben nun zum paradiesischen zu ändern. Er wirft ja nur eine Münze in den Automatenschlitz und es wird ja, ohne viel Mühe, irgendwann ein Sack mit den Gewinnen gefüllt werden können.

Nun hat er damit sicher recht, denn es gab ja vor ihm schon jemanden, der soviel an diesem Automaten gewinnen konnte. Klar kann aus dem Automaten nur das an Gewinnen herauskommen, was andere vorher hineingesteckt hatten. Ist der Speicher leer, kann trotz des Haupttreffers keine Auszahlung erfolgen. So wie beim Lotto: mit der gleichen Gewinnzahlenkombination können bei gleichem Einsatz und gleicher Gewinnchance entweder viele Millionen oder „nur“, wenige Hunderttausend anfallen. Je nachdem, wie viele mitspielen (Einsatze bestimmen Gewinnsumme) und wie viele gleichzeitig gewinnen.

Der Spieler sieht nur seine Chance und zählt weder die investierten Münzen noch die vor em Automaten verbrachten Lebensstunden.

Wenn man also auf eine ähnliche „Denkweise“ setzt bei den Verkäufern, die man gewinnen will, so ist für den Geschäftsgründer der Weg zum Reichtum frei. Er muss nur derjenige sein, der zuerst den Jackpot ausräumt, den andere gefüllt haben.

Und da gibt es ein Modell: Er ist der, von dem alle kaufen müssen, die weiter verkaufen wollen, dessen Kurse alle besuchen müssen, die Kurse anbieten wollen. Oder der, der an solchen Verkäufen oder Kursgebühren, die andere erzielen, Anteile erhält. Dazu erklärt man den Verkäufern, dass sie selbst daran verdienen, wenn sie eigene Verkäufer gewinnen und diese wieder ihre Verkäufer haben. Vielleicht muss man dann nichts mehr tun, so wie der Geschäftsgründer, und kassiert einfach aus der Arbeit anderer!

Damit ergibt sich ein doppelter Effekt: Die, die die Sache (welches Produkt oder welche Dienstleistung auch immer, es geht fast mit jedem) vertreiben und den Reichtum erhoffen, müssen ja in den höchsten Tönen das Angebotene loben, jedes Argument bringen, was – so abwegig es letztlich ist – das Angebotene zum ultimativen Non-Plus-Ultra macht. Und sie müssen immer betonen, dass sie selbst dadurch Glückseligkeit erreicht haben, Gesund bis zum Alter von 140 Jahren bleiben werden. Was man ja laut Wissenschaft als Mensch erreichen können müsste, aber nur mit dem angebotenen Mittel oder der neuen Lebenssicht. Natürlich bringt man dann auch Beispiele aus der Verwandtschaft, die bereits diese Wunder erlebten.

Am besten ist es, wenn man selbst keine Ahnung von der Wirkweise des Angebotenen, der dahinter stehenden Wissenschaft usw. hat. Dann kann man sich voll auf das stützen, was der Geschäftsinhaber (am besten im rechtsfremden Ausland sitzend) so an „Informationen“ vorgegeben hat. Sehr gut macht es sich, wenn dabei Namen von bedeutenden Wissenschaftlern fallen – auch wenn die gar nichts davon wissen, dass sie in dem Zusammenhang genannt werden. Nobelpreisträger wäre besonders gut. Die Geschichten müssen ja nichts mit dem Grund des Preises zu tun haben. Wer als Laie weiß dass? Einstein kennt man, aber ob seine Relativitätstheorie in sofern mit dem zu Verkaufenden zu tun hat, dass dieses nur in kleinen Bereichen relativ auf Realitäten beruht, kann der Laie kaum erfassen. So hat man einen gewisse Art der Relativitätstheorie dann doch erfunden.

Und es müssen Belege her: Das ist heute nicht mehr schwer. Es gibt genügend (Internet)Verlage und Pressebüros, die behilflich sind bei der Verbreitung von Informationen, auch wenn diese im Grunde zur Belletristik oder satirischen Änderung der Welt gezählt werden müssten.

Da schreibt ein Autor, ein berühmter Wissenschaftler habe etwas entdeckt und in Studien nachgewiesen – allerdings würden neidische Wissenschaftler diese Erkenntnisse („noch“ so schreibt man gerne dazu) nicht anerkennen. Aber, so das Argument, wenn man etwas noch nicht gesehen habe, kann man auch nicht sagen, dass es das gar nicht gibt.

Dann werden Schriften zitiert von Denkern und Wissenschaftlern. Es muss ja gar nicht wirklich so geschrieben worden sein. Der jeweilige Autor des Beitrages zu den angeblichen Studienergebnissen usw. darf sich doch irren. Besser ist es noch, wenn ein zweiter diesen Bericht dann wieder zitiert und man den zweiten dann in die Werbung für das zu Verkaufende einbindet. Der hat ja nur geschrieben, was der anderer geschrieben hatte, was eine berühmte Persönlichkeit (der Name macht schon die „Wahrhaftigkeit“ und Glaubwürdigkeit) entdeckt und publiziert hätte. Dann irrt man sich ja selbst nicht und woher soll man wissen, das der andere „Vorherschreiber“ sich irrte? Man selbst ist ja nur berichtender Journalist, kein Fachmann.

Auch entsprechende Videos kann man mit ganz geringen Geld machen lassen und ganz billig ganz weit über das Internet verbreiten. Darsteller dafür findet man ganz leicht. Und auch Menschen – die vielleicht selbst Verkäufer wurden oder Freunde von denen – die das Video ins Internet stellen und selbst bejubeln.

Vielleicht findet sich auch jemand, der über das zu Verkaufende etwas in Wikipedia setzt? Und natürlich Blogs, in denen glückliche Menschen von ihren Erfahrungen berichten. Es kann ja auch nur einer sein, der sich in verschiedene Rollen denkt. Wer weiß denn wer „Sabine“ oder „Wurzelsepp“ wirklich sind? Der Blogbetreiber glaubt ja auch zunächst nur „an das Gute im Menschen“ und dass doch niemand so „hinterlistig“ sein könnte, Erfahrungsberichte zu erfinden.

Manchmal sind es sogar die „Wissenschaftler“ selbst, die warum auch immer, die Vorlagen zu den Geschäftsinhalten liefern. Und es sind Personen, die an sich Fachleute sein sollten (und den „Bluff“ erkennen sollten) die ihre Berufsbezeichnung, gar ihren wissenschaftlichen Titel ins Geschäft einbringen. Allerdings zu anderen Konditionen als sie die „mitwirkenden Glücksspieler“ haben. Zu festen (garantierten) Konditionen.

Sogar unter die direkten Verkäufer (und Verkäuferwerber) mischen sich Personen, die sich wegen des Vertrauens in deren Berufsstand (z.B. Arzt oder Physiker) einen Vorteil zumessen.

Hauptsache, man ist ziemlich an der Spitze der Pyramide der „Unterverkäufer“. Denn irgendwann ist er Punkt erreicht, dass man nur noch auf potentielle Kunden trifft, die bereits selbst verkaufen. Und unter denen, die „bisher nicht zu überzeugen waren“ wird man kaum Neukunden und Mitmacher gewinnen. Denn der potentielle Glücksspieler wird nur unter Gleichveranlagten Mitmacher finden.



Nun, wie wäre es mit der „Erfindung“ des „grünen Flupp“. Vielleicht findet sich noch ein wohlklingender Name, aber als Arbeitsname geht es.

Es ist seit jeher bekannt, auch indische und chinesische Weise haben darüber schon sinniert, dass der Apfel geradewegs vom Baum nach unten fällt. Man könnte ja mal nachlesen, ob man dazu etwas findet. Oder einfacher, man erfindet Sprüche, die vom Weisen stammen könnten, selbst. Der ist ja schon lange tot und wird sich nicht beschweren. Und solches Sprücheschreiben ist ja auch ein eigener Geschäftszweig geworden.

Die Wissenschaft hat das Phänomen des Apfelfalles längst beschrieben als Folge der Erdanziehungskraft. Aber: Die Wissenschaft ist ja längst nicht alles und kann sich ja auch irren – oder verschweigt manches bewusst. Zumindest wäre das ein guter erklärender Ansatz für neue Ideen, warum diese richtig sein könnten.

Was wäre, wenn hinter dem Apfelfall, gar der Erdanziehung die geheimnisvolle Kraft eines vielleicht Engelwesens stände. Man kann es ja nicht sehen, nicht mit unseren Sinnen wahr nehmen, eben sich nur denken - und die Gedanken sind frei. Dem kann auch niemand widersprechen, auch wenn ich etwas behaupte, was gar nicht sein kann – mit den vorhanden Wissen – warum sollte es nicht doch da sein? Zumindest nicht in der irrealen Welt, die ein Gedanke (nennen wir das Geist) schaffen kann?

Nun kann deswegen auch der „Grüne Flupp“, dieses geistige Wesen, welches dem Menschen helfen will, etwas zu lernen für sein späteres Leben (wo und als was auch immer), hinter dem Apfelfall stecken.

Fällt jemandem, der unter dem Apfelbaum saß, – es ist möglich – ein Apfel auf den Kopf, so kann das doch die Folge sein, dass der Grüne Flupp, mit diesem Menschen nicht zufrieden ist und ihn bestraft, um ihm etwas neues zu lehren! Wer will bestreiten, dass das sein kann – weil wir ja diese Welt des Flupps nicht begreifen können, können wir sie auch nicht ablehnen!

Der Mensch hat den Grünen Flupp erzürnt. Sich dessen lehrende Strafe zugezogen. Nun muss er besänftigt werden. Dazu wäre es gut, wenn man in die Gemeinschaft der Fluppgläubigen eintritt. Dort Fürbittegebete betet. Eine solche Gemeinschaft mit ihren Beiträgen, aus denen sich die Führung – vielleicht als reine Aufwandsentschädigung, Ausgleich der eingesetzten Energien – finanziert, wäre schon ein Geschäftsmodell.

Dann natürlich Kurse, zum Umgang mit dem Grünen Flupp, zum Verständnis seines Wirkens. Auch dazu, wie man künftig die Ruhe eines Baumes nicht mehr stört, sodass er nicht mehr mit Äpfeln werfen muss. Ein lohnendes Geschäftsfeld. Und dann natürlich alle Dinge, über die der Grüne Flupp besänftigt werden kann und seine Kräfte genutzt werden können, vom Amulett bis zur Küchenmaschine, vom Flupppfalster gegen alle Krankheiten bis zum Fluppwasserbereiter zur Verlängerung des Lebens mit Hilfe des erzeugten „Lebenswassers“.

Alles Geschäftsfelder, die nur auf der genialen Idee aufgebaut wurden, dass ein „Grüner Flupp“ die Erklärung für alles und jedes sein kann. Und die man dann über „Jünger des Glaubens“ in die Welt bringen kann und in Stufenmarketing vertreiben kann.

Wer also ein Geschäftsmodell sucht, der lasse es „Fluppen“. Und suche sich bitte dafür einen anderen Namen. „Grüner Flupp“ ist hiermit bereits geschützt.


Nach dem Lesen, Humorpflaster aufkleben – und bitte nicht vergessen: Schreiben darf man im Grunde jede ausgedachte Geschichte, auch wenn Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder realen Dingen rein zufällig wären.



Copyright K.-U.Pagel 07.2015